Gartenfreund Heinz Kalt blickt in die kommende Saison

Tropische Chayoten am Pistenrand

Noch weht ein eisiger Biswind über die Familiengärten Fromatt. Doch die Gärtner stehen bereits in den Startbeziehungsweise in den Pflanzlöchern.

 
 
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Wenig Kalorien, massenweise Vitamine: Die Chayoten kommen aus Südamerika. Bei Azteken und Mayas waren sie beliebt. Bei Heinz Kalt gedeihen sie auch in Rümlanger Erde.
 

«Das ist mein Reich», sagt Heinz Kalt und nimmt einen tiefen Zug frischer Märzluft. 200 Meter neben dem Pistenrand des Flughafens schlafen seine Beete noch und lassen sich von den startenden Flugzeugen nicht beeindrucken. Christrosen blühen, und auf dem Rasenstück recken sechs Schneeglöckchen ihre Blütenkelche trotzig in den Biswind. Die Luft mit einem Duft nach Kerosin und Champignonmist ist eisig, und doch ist der Frühling zu erahnen. «Wenn die Sonne scheint, gehts», sagt der Hobbygärtner, reibt sich die Hände und verschwindet im Gartenhäuschen. Dort wühlt er in der hintersten Ecke, kramt zwei undefinierbare Knollen hervor. Die grünen Dinger sind gut faustgross und sehen aus wie eine Mischung aus Mangos und ungeschälten Kokosnüssen. «Das sind Chayoten. Sechium edule, wie sie auf Latein heissen», sagt Kalt - und der Laie ist immer noch nicht schlauer.

Essbare Tropenschönheit

«Man kann diese tropischen Früchte wie Kohlrabi roh essen oder auch dünsten wie Zucchetti», erklärt der Gartenfreak, hält die beiden schrumpeligen Dinger wie einen Schatz in die Luft und begutachtet sie von allen Seiten. Nicht nur die Frucht, sondern auch die Pflanze sei attraktiv, betont er und verschwindet wieder in seinem Gartenhäuschen. Diesmal kommt er mit Fotos heraus.

Sie zeigen den Garten in Vollblüte und eben auch diese Chayotepflanze. «Ihre Blüten sind unscheinbar, aber die Blätter sind eine Pracht», schwärmt Kalt.

Bereits haben sich an den Früchten Triebe entwickelt. Ähnlich wie bei einer Kartoffel, die man im Keller vergessen hat. «Mitte März grabe ich sie in Blumentöpfe ein. Mitte Mai, nach den Eisheiligen, kommt die Pflanze in den Garten.»

Normales und Unbekanntes

«Bohnen, Salat, Himbeeren, Fenchel und Kartoffeln - alles schön und gut. Den Reiz des Gartens macht bei mir aber das Unbekannte, das Besondere aus, das man nur selten auf einem Markt kaufen kann», meint Heinz Kalt und zählt auf.

Da seien zuerst einmal eben diese Chayoten, aber damit nicht genug. Er experimentiert auch gerne mit blauen Kartoffeln, violettem Blumenkohl und japanischen Weinbeeren.

Ein Gemüse hat in seinem Garten jedes Jahr einen Ehrenplatz. «Die Bohnen meiner Mutter. Ich weiss nicht, wie sie heissen, aber sie sind einmalig.» Sie seien unglaublich resistent, gleichzeitig aber ohne Fäden und von grossem Ertrag. «Meine Sorte ?Mutter? habe ich an meine Gartenkollegen weitergegeben. Sie alle finden sie toll.» Hinter der Freigebigkeit Kalts steckt aber auch ein Hintergedanke: «Falls mir die Samen aus irgendeinem Grund verloren gingen, würden mir meine Kollegen aushelfen.»

Nahrung und Erholung

Heinz Kalt verbringt seit sieben Jahren jede freie Minute in seinem Garten. Im Winter holt er sich dort Rosenkohl, Winterwirz, Federkohl und Nüsslisalat. Im Sommer bietet der Garten nicht nur Nahrungsquelle, sondern auch Erholung.

Eidechsen und Vögel

Dass man für 200 Quadratme-ter Gartenparadies auch schuften muss wie ein Pferd, hört man aus den Erzählungen des Gartenfreunds nur ganz leicht heraus. «Man muss Freude an der Natur haben, dann geht es fast von allein», sagt er. Hacken, giessen, zupfen, Eidechsen huschen sehen, Schädlinge im Auge behalten, zurückschneiden, jäten, Vögel beobachten und sich gleichzeitig noch nach dem Mondkalender richten.

«Ich habe eigentlich keine besonderen Tricks. Sogar die Schnecken sammle ich ganz gewöhnlich von Hand ein», erklärt Kalt und fügt hinzu: «Ich stelle ihnen keine Bierfallen. Den kühlen Gerstensaft geniesse ich lieber selbst in meinem Liegestuhl.»

 

von Beatrix Bächtold

Rümlangerblatt 12. März 2010

 

 
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